Gedanken zu " Vermittlunstexten"

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greycie
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Gedanken zu " Vermittlunstexten"

Beitrag von greycie » Mi 30. Okt 2019, 11:29

Meine Wut, über die Vermittlunstexte einiger Tierschutzorganisationen :

Gedanken zur Adoption von Hunden aus dem Tierschutz die mich immer wieder beschäftigen. Seit Monaten rege ich mich oftmals über so manche Zeilen der Menschen aus dem Tierschutz auf. Diese Mitleid erhaschenden Worte... Warum sieht mich denn keiner? Habe ich es nicht verdient? Meine Koffer sind gepackt und so gerne würde ich wissen wollen wie es sich anfühlt eine Familie zu haben. Gerne würde ich die Welt kennen lernen bla bla bla.

Was geht da gerade in mir vor?
Ich lese diese Zeilen während ich keine 2 min später einen Anruf erhalte ... Hund muss sofort weg, hat Kind gebissen, fängt an schwierig zu werden, bellt ständig, kann nicht alleine sein bla bla bla

Es ist ein verschissener Kreislauf der sich nur brechen lässt wenn wir endlich anfangen Verantwortung zu übernehmen. Wenn wir ehrlich sind. Die Hunde aus den Sheltern sind richtig arm dran, viele geben sich auf, kein Hund hat so ein einsames Leben unter vielen verdient. Aber... Sie sitzen nicht auf gepackten Koffern und freuen sich die große Welt kennenzulernen, genau das Gegenteil ist der Fall. Sie sitzen fest in ihrer Angst. Sie kennen nichts. Menschen sind ihnen meistens fremd, zumindest können die wenigstens Hunde dort Menschen gut einschätzen weil sie nur zweimal am Tag welche sehen. Morgens und abends zum füttern, es ist keine Zeit für gemeinsame Stunden zum kennenlernen. Sie kennen keine Autos, keine Häuser in denen es Luxus gibt, sie kennen es nicht in Ruhe fressen zu dürfen ohne das 20 andere Hunde da stehen und nur warten das was daneben geht und und und. Es ist ein permanenter Stress.

Und nun? Sie haben das Glück endlich ausreisen zu dürfen, optimal wäre es auf Menschen zu treffen die keine Erwartungen haben aber trotzdem auch vorbereitet sind auf etwas das sich alles andere als freut endlich Zuhause zu sein. Das ist der Knackpunkt. Ständig liest man von Hunden die doch nur endlich eine Familie haben wollen, gestreichelt werden und spielen möchten,von langen Spaziergängen träumen und somit sind die Menschen die nämlich genau das erwarten, mächtig überfordert mit dem was da tatsächlich ankommt.

Ein häufchen Elend, das penetrant stinkt, das alles zurück gelassen hat was ihm vertraut war, und nicht weiß was ihn jetzt erwartet. Auch weiß er nicht das der Teppich keine Pinkelecke ist, weiß nicht das er nicht knurren braucht wenn gefressen wird weil er wahrscheinlich wieder nicht satt wird.

Der Hund der völlig überfordert ist mit Treppen und Heizungsluft, der Hund der plötzlich 24 Std 7 Tage die Woche Menschen um sich hat die ihm ständig Aufmerksamkeit schenken. Der Hund der plötzlich von einem riesen Geräuschpegel ständigem bellen keinen Mucks mehr sagen soll weil es Nachbarn gibt die es stört, der Hund der allein sein nicht kennt jetzt aber mindestens 4 Stunden völlig alleine ist und vor Angst, Frust oder Stress die Wohnungseinrichtung und Frauchens Prada Schuhe zerlegt und den Teppich nutzt um Dünnpfiff los zu werden.

Warum denken wir nicht alle mal ein bisschen nach? Ich rege mich gerade deswegen auf weil ich es heute mal wieder live erleben durfte. Familie hat sich einen Hund geholt der sich doch so sehr eine Familie gewünscht hat, jetzt ist er undankbar und muss sofort weg weil er das Kind gebissen hat.

Aus einem Shelter vor 5 Monaten nach Deutschland gekommen. Als Welpe in der Tötung gelandet, 4 Jahre nur hinter Gittern gelebt sich 15 qm mit vielen weiteren Hunden geteilt , Menschen sind ihm fremd und jetzt, ja jetzt hat er das Kind gebissen weil es den Hund doch immer so gerne umarmen möchte.
Ständig Besuch der ein und ausgeht, ja das muss der Hund aber ertragen, schließlich können wir ja nicht unser ganzes Leben nur noch nach dem Hund ausrichten. Ständig bellt er, er hat schon zwei Teppiche total versaut und den guten Antikstuhl von unseren Oma hat er auch zerbissen.
Von Dankbarkeit keine Spur. Ganz im Gegenteil, hätten wir das eher gewusst, wir hätten einen Goldenen Retriever vom Züchter genommen die sind Kinderlieb, dabei wollten wir doch nur helfen.

Danke liebe Tierschutzvereine für die falschen Vorstellungen die ihr impliziert, danke liebe zukünftige Besitzer die ihr so blauäugig und dumm seid zu denken ein Hund der nichts kennt ist bereit für eine völlige Reizüberflutung ohne eine Nebenwirkung zu zeigen und euch direkt so sehr liebt das ihr ihn Zwangsbekuscheln könnt und er dankbar ist endlich die Welt kennen zu lernen.
Quelle FB - Autor unbekannt!

Es trifft die Greyhounds nicht so extrem wie rumänische Straßenhunde, die in großer Zahl den Weg in deutsche Zuhause finden.

Aber auch hier findet man Schauergeschichten. Kennt weder den vorherigen Rennbesitzer/Trainer, kann aber genau sagen, welches furchtbare Leid dieser oder jeder Greyhound vorher durchlebt hat.

Es würde das neue Zusammenleben von Adoptant und Greyhound so viel einfacher machen, wenn die Art und Weise, wie Greyhounds in ihrem Herkunftsland gezüchtet, aufgezogen und trainiert und gehalten werden transparent weiter gereicht wird.
Michaela
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Nur wer einmal seinen Windhund jagen gesehen hat, der weiß, was er an der Leine hat!

ronnie
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Re: Gedanken zu " Vermittlunstexten"

Beitrag von ronnie » Mi 30. Okt 2019, 11:43

Ein sehr wahrer Text, finde ich!
Ich bin explizit keine Gegnerin des Auslands-TS, wenn er gut gemacht wird, und ich meine auch, dass es eine schöne (wenn auch anstrengende) Aufgabe sein kann, einen "vorgeschädigten" Hund auf seinem Weg ins Leben eines Familienhundes (im Sinne, dass er bei seinen Menschen im Haus lebt) zu begleiten.
Aber diese tränendrüsigen, gnadenlos vermenschlichenden Texte sind wirklich eine Seuche und werden den Hunden nicht gerecht. Aber es geht ja zum Glück auch anders...
Irene

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